Wissenschaftliche Vogelberingung

Die Methodik der Vogelberingung

Die wissenschaftliche Vogelberingung ist eine Methode, bei der Vögel mit einem individuellen Metallring markiert werden. Dies ermöglicht es, einen Vogel bei anhand der Inschrift eindeutig identifizieren zu können. Einige Mitglieder des OBS sind auch in der Vogelberingung aktiv, der Verein unterstützt dieses Engagement in besonderem Maße.

Ursprünglich lag die Zielsetzung der Beringung in der Aufklärung des Vogelzugs, der zu Beginn des letzten Jahrhunderts insbesondere bei Kleinvögeln noch wenig erforscht war. Bis zum heutigen Tag hat die Bedeutung der Beringung nicht abgenommen, aktuelle Fragestellungen umfassen:

  • Ermittlung von Zugrouten mit Rast- und Überwinterungsgebieten
  • Untersuchung der Standorttreue von Brut- und Rastvögeln
  • Individuenbezogene Studien zu Verhalten und Brutökologie
  • Sammeln von biometrischen Daten
  • Langfristiges Monitoring von Brut- und Rastvogelbeständen an einem festen Standort

Zur Beringung werden entweder Jungvögel am Nest markiert („Nestlingsberingung“) oder ausgewachsene Wildvögel gefangen und beringt. Erstere Methode wird von einigen Beringern des OBS im Saarland praktiziert, vorwiegend bei Großvögeln wie Weißstörchen und Uhus. Der Vogelfang  hingegen ist meist auf Kleinvögel ausgerichtet. Der Fang erfolgt dabei mit sogenannten Japan-Netzen, die einen schonenden Fang ohne Gefahr für die Vögel ermöglichen.

NABU-Beringungsstation Mittleres Saartal

Die Zentrale der saarländischen Vogelberingung ist die NABU-Beringungsstation Mittleres Saartal, die durch den OBS finanziell und ideell unterstützt wird. Sie liegt in Saarlouis-Lisdorf, im so genannten „IKEA-Biotop“, wo seit 1998 Beringungsaktionen statt finden und seit 2006 systematische Erfassungen zu Brutzeit und Herbstzug erfolgen. Mit dem Bau der Station 2008 wurde die Beringungsarbeit weiter intensiviert, mittlerweile werden auf knapp 500 Netzmetern über 10.000 Vögel jährlich gefangen und beringt. Die so gesammelten Daten werden an die zuständige Vogelwarte Radolfzell übermittelt und für überregionale Studien genutzt.

Durch die langfristige Arbeit des ehrenamtlichen Teams konnten in dem strukturreichen Feuchtbiotop mittlerweile über 120 verschiedene Vogelarten beringt werden, darunter mit dem Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola), dem Buschrohrsänger (Acrocephalus dumetorum), dem Buschspötter (Iduna caligata) , der Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria), dem Sprosser (Luscinia luscinia) und der Zwergammer (Emberiza pusilla) auch sechs saarländische Erstnachweise.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit ist auch die Umweltpädagogik zentrale Komponente bei der Beringungstätigkeit, denn keine andere Methode erlaubt es, Wildvögeln näher zu kommen. Sie eignet sich dadurch hervorragend, um anschaulich Artenkenntnis und ökologische Zusammenhänge begreifbar zu machen. Die Beringungsstation bietet nach vorheriger Absprache Beringungsvorführungen gegen eine Unkostenbeteiligung an. Daneben findet alljährlich ein Tag der offenen Tür – meist Ende August oder Anfang September – statt, bei dem Interessierte hinter die Kulissen schauen und die Vogelberingung aus nächster Nähe erleben können.

Ansprechpartner:

Sebastian Kiepsch (Stationsleiter NABU-Beringungsstation) – EMAIL
Rolf Klein – EMAIL

Mehr Informationen:

  • Webseite der NABU Beringungsstation „Mittleres Saartal“ – LINK
  • Ringfundmeldungen online absenden – LINK
  • Farbringprojekte finden – LINK

Publikationen:

  • Beringungsstation „Mittleres Saartal“, Info-Broschüre vom NABU Saarland und dem saarl. Ministerium für Umwelt2013 – DOWNLOAD
  • Vogelberingung beim Herbstzug 2009 im IKEA-Biotop Lisdorf, OBS Info 42 S. 18-212010 – DOWNLOAD